Teil 2 · 03 VertrauenDiskussion
03

Deutsch-chinesisches Vertrauen

Chinesische und deutsche Unternehmen bauen geschäftliches Vertrauen auf unterschiedliche Weise auf. Dieses Kapitel zeigt, worauf Vertrauen in beiden Ländern beruht, von Guanxi, dem Netz persönlicher Beziehungen, bis zum Vertrag, und wie Sie es mit Partnern auf beiden Seiten aufbauen.

In China wächst Vertrauen mit der Zeit und hängt an der Person.

In Deutschland bekommt Vertrauen, wer Kompetenz zeigt, und das System sichert es ab.

Abschnitt 01

Vertrauenslogik: China und Deutschland im Vergleich

Dimension
China
Deutschland
GrundlageBeziehungen vs. Institutionen
ChinaVertrauen entsteht aus Beziehungen und Charakter. Am meisten zählen der Ruf und eine gemeinsame Geschichte. Jede Begegnung festigt die Bindung.
DeutschlandVertrauen entsteht aus Verträgen und Systemen. Am meisten zählen Regeltreue und überprüfbare Nachweise. Audits und Zertifizierungen sichern das Geschäft ab.
AufbauEssen gehen vs. Ergebnisse liefern
ChinaErst die Beziehung, dann das Geschäft. Gemeinsame Essen und lockere Gespräche schaffen Nähe. Gefälligkeiten werden ausgetauscht, ohne dass jemand Bedingungen nennt.
DeutschlandErst das Geschäft, die Beziehung kann folgen. Qualifikationen und Referenzen dienen als Beleg. Nachgewiesene Ergebnisse schaffen mit der Zeit Vertrauen.
VertrauenskreisEigene Leute vs. Gleichbehandlung
ChinaVertrauen gibt es zunächst nur im inneren Kreis. Wer von außen kommt, fängt bei null an. Die Empfehlung einer Vertrauensperson öffnet die Tür, und wer empfiehlt, steht mit seinem Ruf dafür ein.
DeutschlandFür alle gilt derselbe Maßstab. Ob bekannt oder fremd, die Regeln sind dieselben. Wer Sie empfohlen hat, zählt weniger als das, was Sie nachweisen können.
Beruf und PrivatVerwoben vs. getrennt
ChinaBerufliches und Privates gehen ineinander über. Vertrauen gilt dem ganzen Menschen. Wen man mag, dem vertraut man auch.
DeutschlandBerufliches und Privates bleiben getrennt. Man vertraut einander im Beruf, ohne befreundet zu sein. Dienst ist Dienst, und Schnaps ist Schnaps.
RegelnFlexibel vs. fest
ChinaVertrauen schafft Spielraum. Ändern sich die Pläne, erwarten Partner voneinander Entgegenkommen. Wer sich nahesteht, kürzt formale Schritte auch einmal ab.
DeutschlandVertrauen heißt, sich an Vereinbarungen zu halten. Änderungen laufen über das vereinbarte Verfahren. Wer Regeln dehnt, schwächt das Vertrauen und erhöht das Compliance-Risiko.
VertrauensbruchBeziehung kitten vs. Sache klären
ChinaEin Vertrauensbruch ist persönlich. Er verletzt die Beziehung, und es spricht sich im Netzwerk herum. Um ihn wiedergutzumachen, braucht es Zeit, eine echte Geste und die Möglichkeit, das Gesicht zu wahren.
DeutschlandEin Vertrauensbruch betrifft die Sache. Gebrochen ist eine Zusage, nicht die ganze Beziehung. Um ihn wiedergutzumachen, braucht es eine ehrliche Erklärung und wieder verlässliches Handeln.
Typisches Missverständnis

Die deutsche Seite hält den unterschriebenen Vertrag schon für Vertrauen und überspringt die gemeinsamen Essen, die Zeit und die persönliche Bindung, die einen Partner in China erst verlässlich machen. Die chinesische Seite empfindet diese professionelle Distanz als Kälte und wartet auf eine persönliche Nähe, die so nicht kommt: Die deutsche Seite zeigt ihr Vertrauen über Kompetenz, nicht über Freundschaft.

Brücken bauen

Beziehung pflegen und Leistung belegen. In China gehören gemeinsame Essen und Zeit dazu, ergänzt durch nachweisbare Erfolge; in Deutschland sollten Sie Verlässlichkeit und gehaltene Zusagen als das erkennen, was sie sind: gelebtes Vertrauen.

Abschnitt 02

VertiefungChina und Deutschland von innen: Wie Vertrauen entsteht und was sich ändert

China und Deutschland bewegen sich aufeinander zu. In China beruhte Vertrauen lange auf persönlichen Beziehungen und verlagert sich nun auf Systeme wie Verträge, Plattformen und Regulierung. In Deutschland beruhte es lange auf Institutionen und richtet sich heute stärker auf nachgewiesene Kompetenz und auf die Menschen im eigenen Umfeld. Keines der beiden Länder gibt seine alte Grundlage auf, doch beide steuern womöglich auf eine ähnliche Mitte zu, in der Beziehungen und Systeme gleichermaßen zählen. In China hängt Vertrauen zudem von der Region und der Art des Unternehmens ab.

Zwischen China und Deutschland wechseln

Vertrauen in China: Grundlagen und Wandel

1. Wie sich Vertrauen in China verschiebt: von Personen zu Systemen

71 → 85Vertrauen in Institutionen bei Besserverdienenden, 2012 → 2026 (Edelman Trust Barometer)

Vertrauen über PersonenVertrauen über Systeme

Traditionell beruhte Vertrauen in China auf Verwandtschaft, gemeinsamer Herkunft aus demselben Ort und dem gemeinsamen Arbeitsplatz.1 Als nach Beginn der Reform- und Öffnungspolitik die Marktwirtschaft schneller wuchs als ihr rechtlicher Rahmen, übernahmen persönliche Beziehungsnetze (Guanxi) die Aufgaben, die Institutionen noch nicht erfüllen konnten. Gute Beziehungen zu Geschäftspartnern und Behördenvertretern steigerten den Unternehmenserfolg messbar.2 Mit der Binnenmigration und der Ausbreitung der Märkte lockerten sich diese Kreise. Zwischen 2005 und 2015 sank das Vertrauen in Verwandte, Nachbarn und Kollegen deutlich, während das Vertrauen in Fremde zwar stieg, aber niedrig blieb.1 Skandale wie der Melamin-Skandal um verunreinigtes Milchpulver von 2008 hinterließen zudem dauerhafte Zweifel an heimischen Produkten.3 Das allgemeine Vertrauensniveau brach dennoch nicht ein:4 China erlebte einen Umbau des Vertrauens, keine Vertrauenskrise.

Seit den 2010er-Jahren sorgen vor allem digitale Plattformen, etwa mobile Bezahldienste, dafür, dass Fremde einander vertrauen können. Der wichtigste Grund, warum Nutzer ihnen vertrauen, ist die staatliche Aufsicht.5 Das Vertrauen in Institutionen ist gestiegen: Im Edelman Trust Barometer, einer jährlichen internationalen Vertrauensumfrage (Skala 0 bis 100), kletterte es bei Besserverdienenden von 71 im Jahr 2012 auf 93 im Jahr 2020 und ging bis 2026 leicht auf 85 zurück.6 Gute Beziehungen (Guanxi) zu Geschäftspartnern sind weiterhin wichtig, Kontakte zu Behördenvertretern haben dagegen mit dem Ausbau der Institutionen an Bedeutung verloren.2 Beziehungen öffnen nach wie vor Türen; ob ein Partner als verlässlich gilt, entscheiden aber zunehmend Systeme.

Was das bedeutet: Guanxi ist kein festes Gesetz des chinesischen Geschäftslebens, sondern eine Praxis, die sich ständig wandelt. Ältere China-Ratgeber stellten Guanxi oft ganz in den Mittelpunkt; heute hat es weniger Gewicht, als diese Ratgeber vermuten lassen. Überschätzen Sie Guanxi nicht: Gute persönliche Beziehungen sind weiterhin wichtig, wirken aber am besten zusammen mit Verlässlichkeit und nachweisbaren Erfolgen, nicht an deren Stelle.

2. Wo Verträge Guanxi schneller ablösen: Unternehmensform und Region

Wo chinesische Manager das Rechtssystem für glaubwürdig halten, setzen sie stärker auf formelle Verträge; wo nicht, bauen sie auf bewährte Beziehungen.7 Wie schnell das geht, hängt vom Unternehmen ab: Staatsnahe und weniger marktorientierte Unternehmen setzen weiter stärker auf Beziehungen und politische Rückendeckung, private und international ausgerichtete Unternehmen stellen früher auf formelle Regeln um.8 Auch die Region spielt eine Rolle. In stärker modernisierten Regionen vertrauen Menschen Fremden deutlich mehr, während das Vertrauen in die Familie überall ähnlich ausgeprägt ist.9 Und je marktwirtschaftlicher eine Region ist, desto stärker lehnt die Bevölkerung es ab, Dinge über Beziehungen zu regeln.10

Was das bedeutet: Bei Privatunternehmen in entwickelten Städten beruht Vertrauen eher auf Verträgen und nachgewiesener Leistung. Bei staatsnahen Partnern und in weniger entwickelten Regionen sollten Sie mehr Zeit für die Vermittlung über Kontakte und für den Beziehungsaufbau einplanen.

3. Von „ausländisch ist besser“ zu „bewusst chinesisch“

90 zu 73Vertrauen in chinesische und in ausländische Unternehmen in China (Edelman Trust Barometer)

Lange vertrauten chinesische Verbraucher ausländischen Produkten mehr, vor allem dort, wo es um Sicherheit ging. Das kehrt sich nun um. Nach dem Melamin-Skandal von 2008 griffen Eltern zu importierter Säuglingsnahrung,3 doch bis 2020 hatten heimische Marken 53 % des Marktes zurückerobert und lagen damit nahe an ihrem Anteil von 60 % vor dem Skandal.11 Der Wandel geht über Babynahrung hinaus. Auf JD.com, einer der größten Onlinehandelsplattformen Chinas, erreichte die Neigung, importierte Gesundheitsprodukte zu kaufen, 2020 ihren Höhepunkt und liegt inzwischen unter dem Stand von 2016. Alltägliche Lebensmittel wie Milch und Speiseöl werden heute überwiegend von heimischen Marken gekauft.12 Dahinter stehen zwei Entwicklungen: Chinesische Produkte haben den Qualitätsrückstand weitgehend aufgeholt, unterstützt durch strengere Regulierung,13 und Nationalstolz bestimmt heute bei vielen mit, was sie kaufen.14 Heute liegt das Vertrauen in chinesische Unternehmen bei 90 Punkten, in ausländische bei 73. Zudem fänden es 63 % gut, wenn weniger ausländische Unternehmen in China tätig wären, selbst wenn dadurch die Preise stiegen.6

Was das bedeutet: In China ist „ausländisch“ an sich kein Verkaufsargument mehr. Ausländische Unternehmen genießen zwar noch recht hohes Vertrauen, müssen es sich aber inzwischen genauso verdienen wie die heimische Konkurrenz: mit Produktqualität, Bezug zum lokalen Markt und sichtbarem langfristigem Engagement.

4. Wann aus persönlichem Vertrauen Vertrauen in das Unternehmen wird

In China beginnt Vertrauen zwischen zwei Unternehmen oft mit der Beziehung zwischen den Menschen, die sie vertreten: Vertriebsleitern, Ingenieuren, Projektleitern oder Inhabern. Ihre persönliche Beziehung kann den Austausch von Informationen erleichtern, Flexibilität schaffen und Sicherheit geben, wird aber nicht automatisch zu Vertrauen in die Partnerorganisation. Studien zeigen: Aus persönlichen Beziehungen wird eher Vertrauen zwischen Unternehmen, wenn der Vertreter echte Entscheidungsbefugnis hat, wenn beide Unternehmen stark voneinander abhängen und wenn verlässliche Verfahren und eine wirksame Rechtsdurchsetzung die Beziehung stützen. Persönliches Vertrauen kann also wertvoll sein, reicht allein aber nicht aus. Ein Manager vertraut vielleicht dem Vertreter eines Lieferanten, ohne vom Qualitätssystem dieses Lieferanten überzeugt zu sein. Oder ein Vertrauter auf der anderen Seite schafft es nicht, Finanzabteilung, Technik oder Geschäftsleitung mit ins Boot zu holen.1516

Was das bedeutet: Für einen deutschen Partner lautet die praktische Frage: Ist dieses Vertrauen in der ganzen Organisation verankert, durch mehrere Ansprechpartner, gleichbleibende Leistung, schriftlich festgelegte Zuständigkeiten und gemeinsame Abläufe?

Vertrauen in Deutschland: Grundlagen und Wandel

1. Wie sich Vertrauen in Deutschland verschiebt: von Institutionen zu den Menschen im eigenen Umfeld

56 % → 17 %Anteil der Menschen in Deutschland, die den Staat für handlungsfähig halten, 2020 → 2026

Von InstitutionenZu nachgewiesener Kompetenz und Menschen im eigenen Umfeld

Jahrzehntelang beruhte geschäftliches Vertrauen in Deutschland nach dem Krieg auf Institutionen, nicht auf persönlichen Beziehungen. Vertragsrecht, Wirtschaftsverbände, technische Normen und Tarifverträge machten einen Lieferanten verlässlich, auch wenn der Käufer ihn kaum kannte.17 Das Vertrauen zwischen Menschen war vergleichsweise gering: Im Jahr 2000 sagten nur 36 % der Deutschen, man könne den meisten Mitmenschen vertrauen.18

Seit 2020 ist das Vertrauen in die Politik stetig gesunken, über die Pandemie und die Energiekrise hinweg. Weit weniger Menschen halten den Staat heute für handlungsfähig (56 % im Jahr 2020, 17 % im Jahr 2026), und noch weniger haben eine hohe Meinung von Politikern (24 % im Jahr 2020, 7 % im Jahr 2026). Institutionen, die Kompetenz zeigen, haben ihr Ansehen behalten: Feuerwehrleute, Pflegekräfte und Ärzte führen die Rangliste der angesehensten Berufe an (84 % bis 94 %),19 und Polizei und Gerichte genießen weiterhin breites Vertrauen (64 % und 58 %).20 Allerdings ist das Vertrauen ungleich verteilt: Im Edelman Trust Barometer ist es seit 2012 bei Besserverdienenden gestiegen (von 36 auf 58 Punkte), bei Geringverdienenden dagegen kaum (von 30 auf 36).21 Zugleich rückt Vertrauen näher an den eigenen Alltag. Ihrem Arbeitgeber vertrauen die Menschen in Deutschland weit mehr als Regierung oder Medien (74 gegenüber 42 und 46 Punkten),21 und das Vertrauen zwischen Menschen ist bis 2024 auf 54 % gestiegen.18 Regeln haben in Deutschland nicht ausgedient. Vertrauen bekommen heute aber vor allem Institutionen, die ihre Kompetenz beweisen, und die Menschen im eigenen Umfeld.

Was das bedeutet: Rechnen Sie mit Skepsis gegenüber „offiziellen“ Darstellungen und Empfehlungen von oben. Setzen Sie in B2B-Projekten und in Projekten mit der öffentlichen Hand auf faire Verfahren, belegbare Entscheidungen und Transparenz. Daran messen deutsche Partner Integrität und Kompetenz.

2. In Deutschland vertraut man dem Vertrauten

83 % zu 9 %Vertrauen in deutsche Produkte und in Produkte aus Asien

Vertrauen richtet sich in Deutschland auf das Bekannte, vor allem bei der Wahl von Unternehmen und Produkten. Heimischen Unternehmen vertrauen die Deutschen deutlich mehr als ausländischen; mit 29 Punkten ist der Abstand einer der größten unter den 28 Ländern des Edelman Trust Barometer.21 Eine Verbraucherumfrage zeigt dasselbe Muster: Die meisten vertrauen deutschen Produkten (83 %), weit weniger Produkten aus den USA (20 %) oder aus Asien (9 %), und rund die Hälfte misstraut chinesischen Produkten (52 %).22 Gegenüber China wird die Stimmung freundlicher, allerdings langsam und von niedrigem Niveau aus. Mehr Deutsche als noch vor einigen Jahren sehen China positiv (33 % gegenüber etwa 20 % in den Jahren 2021 bis 2024),23 und fast die Hälfte (46 %) hält China für einen verlässlichen Wirtschaftspartner der EU, die USA dagegen nur 17 %.24 Dennoch sieht die Mehrheit in China eine große wirtschaftliche Bedrohung (59 %).25 Dieselbe Vorsicht zeigt sich beim Kauf. Das Interesse an chinesischen Autos wächst, aber vor allem bei Menschen, die gerade nicht vor einem Kauf stehen: 29 % der Autobesitzer können sich den Kauf eines chinesischen Autos vorstellen, bei den privaten Neuwagenkäufern sind es nur 5 %. Ihre Bedenken sind praktischer Natur: die Qualität, wohin die Fahrzeugdaten gehen und ob es die Marke in fünf Jahren noch gibt.26

Was das bedeutet: Für chinesische Unternehmen, die in Deutschland Fuß fassen wollen, muss Vertrauen vor Ort entstehen: durch deutsche Ansprechpartner und Sprecher, Fallbeispiele und Belege aus Deutschland, vor Ort angesehene Vermittler und ein sichtbares, langfristiges Engagement für die jeweilige Region. So wirkt das Unternehmen vertraut statt fremd. Die Chance ist real, aber an Bedingungen geknüpft: China wird in Deutschland zunehmend als Geschäftspartner akzeptiert, gekauft wird aber erst, wenn Zweifel an Qualität, Daten und Beständigkeit ausgeräumt sind. Ein Servicenetz vor Ort, Datenspeicherung in Europa, lange Garantien und unabhängige Qualitätstests bewirken mehr als Markenkampagnen.

3. Vertrauen in Mitmenschen wächst und ist bei Jüngeren am größten

60 %der Unter-35-Jährigen sagen, man könne den meisten Mitmenschen vertrauen (Über-55-Jährige: etwa 51 %)

Auch wenn das Vertrauen in die Politik sinkt, vertrauen sich die Menschen in Deutschland weiterhin gegenseitig, und am stärksten ist dieses Vertrauen bei den Jüngsten: 60 % der Unter-35-Jährigen sagen, man könne den meisten Mitmenschen vertrauen, gegenüber rund 51 % der Über-55-Jährigen.18 Das steht nicht im Widerspruch zur deutschen Vorliebe für das Vertraute, sondern ergänzt sie.

Was das bedeutet: In Deutschland wirkt Einfluss verlässlicher von Mensch zu Mensch als von oben nach unten. Empfehlungen aus dem eigenen Umfeld, Netzwerke der Mitarbeitenden und vor Ort verankerte Fürsprecher schaffen das meiste Vertrauen. Zentrale Kommunikation mit offiziellem Ton überzeugt dagegen weniger als früher.

4. Verlorenes Vertrauen in Deutschland zurückgewinnen

46 % zu 26 %Langfristige Investitionen in die Region oder einmalige Spenden: was verlorenes Vertrauen eher zurückbringt

Ist Vertrauen einmal verloren, kehrt es in Deutschland nur langsam und über Belege zurück. Auf die Frage, wie ein ausländisches Unternehmen, dem sie misstrauen, ihr Vertrauen zurückgewinnen könnte, nennen die Befragten langfristige Investitionen in die Region (46 %) und lokale Neueinstellungen (42 %) weit häufiger als einmalige Spenden (26 %). Bei gesellschaftlich umstrittenen Themen honorieren sie eher ein Unternehmen, das Gruppen bei der Zusammenarbeit unterstützt, ohne Partei zu ergreifen (29 %), als eines, das sich auf „ihre“ Seite stellt (14 %). Arbeitgebern trauen die Befragten zudem am ehesten zu, gesellschaftliche Gräben zu überbrücken, sehen sie aber hinter dieser Erwartung zurückbleiben: Zwischen Erwartung und Leistung klafft eine Lücke von 14 Punkten.21

Was das bedeutet: Gewinnen Sie Vertrauen durch bewiesene Verlässlichkeit zurück, nicht durch Botschaften. Engagieren Sie sich über Jahre vor Ort, mit Neueinstellungen und Partnerschaften. Bleiben Sie bei umstrittenen Themen grundsatztreu, aber neutral, und setzen Sie beim Wiederaufbau des Vertrauens auf die eigene Belegschaft.

Der GesamttrendChina und Deutschland bewegen sich aufeinander zu
ChinaVon persönlichen Beziehungenzu Systemen: Verträge, Plattformen, Regulierung
Wohin beide steuern könntenEine ähnliche Mittein der Beziehungen und Systeme gleichermaßen zählen
DeutschlandVon Institutionenzu nachgewiesener Kompetenz und den Menschen im eigenen Umfeld

Ein Bild in Bewegung: Beide Gesellschaften befinden sich in einem tiefgreifenden Wandel, und die Zahlen dieses Jahres können im nächsten Jahr schon überholt sein. Verstehen Sie diese Befunde deshalb als Momentaufnahme, nicht als festes Bild. Wir überarbeiten die Vertiefung jedes Jahr und aktualisieren die Daten, sobald neue Erhebungen vorliegen.

Abschnitt 03

Praxisfälle zum deutsch-chinesischen Vertrauen: Was schiefgeht und wie es sich lösen lässt

Fall 01

Warum brach ein Vertriebsnetz zusammen, als der Geschäftsführer ging?

Baustoffe · Süddeutschland und Jangtse-Delta · 2022

Ein mittelständischer deutscher Baustoffhersteller hatte in China eine vergleichsweise kleine hundertprozentige Tochtergesellschaft gegründet. Weil die Tochter zu klein war, um die Kosten eines aus Deutschland entsandten Managers zu rechtfertigen, setzte die Zentrale einen chinesischen Manager als Geschäftsführer ein. Er hatte in Großbritannien Bauingenieurwesen studiert, sprach gut Englisch und schien bestens geeignet, zwischen der deutschen Muttergesellschaft und dem chinesischen Markt zu vermitteln.

Anfangs funktionierte das gut. Eine der Hauptaufgaben des Geschäftsführers war es, die Marktpräsenz des Unternehmens auszubauen. Dazu baute er ein regionales Vertriebsnetz auf. Als relativ kleines und noch wenig bekanntes ausländisches Unternehmen brauchte die Tochter Vertriebspartner, die bereit waren, Zeit, ihren guten Ruf und unternehmerischen Einsatz in die Markterschließung zu investieren.

Aus Sicht des Geschäftsführers setzte das vor allem eines voraus: Vertrauen. Deshalb stützte er sich stark auf Menschen, die er bereits kannte (Familienangehörige, Freunde und andere enge Kontakte), weil er glaubte, sich auf sie verlassen zu können. Sie waren eher bereit, ein neues Geschäft zu unterstützen, unternehmerische Risiken einzugehen und mit einem Unternehmen zusammenzuarbeiten, das am Markt noch keine starke Stellung hatte.

Die deutsche Zentrale wusste nichts von diesen persönlichen Verbindungen. Sie ging davon aus, dass das Vertriebsnetz nach objektiven Kriterien aufgebaut worden war, etwa nach einem strukturierten Marketingplan, nach Branchenerfahrung und nach Vertriebserfahrung.

Zunächst ging die Strategie des Geschäftsführers auf. Der Umsatz zog an, der Marktzugang verbesserte sich, und das Unternehmen entwickelte sich zufriedenstellend. Nach einer Phase guten Wachstums ließ die Dynamik jedoch nach.

Einige Jahre später erhielt die deutsche Geschäftsleitung einen anonymen Hinweis: Ein erheblicher Teil des Vertriebsnetzes sei rund um Familienangehörige und das persönliche Umfeld des Geschäftsführers aufgebaut worden. Eine genauere Prüfung bestätigte, dass viele der angeblich unabhängigen Vertriebspartner eng mit ihm verbunden waren.

Das Vertriebssystem selbst funktionierte durchaus ordentlich. Das eigentliche Problem war, dass ein vergleichsweise großer Teil der verfügbaren Marge bei den Vertriebspartnern blieb, statt der Tochtergesellschaft zuzufließen. Was auf persönlichem Vertrauen aufgebaut worden war, hatte sich nach und nach zu einer Struktur entwickelt, in der dieses Vertrauen auch für private wirtschaftliche Vorteile genutzt wurde.

Die deutsche Geschäftsleitung reagierte entschieden. Sie kam zu dem Schluss, dass der Geschäftsführer einen unzulässigen Interessenkonflikt geschaffen hatte, entließ ihn und ersetzte ihn durch einen entsandten Manager mit langjähriger China-Erfahrung.

Womit die Zentrale nicht gerechnet hatte, war das, was danach geschah. Kurz nach der Entlassung begannen wesentliche Teile des Vertriebsnetzes zu zerfallen. Einige Vertriebspartner fuhren ihre Aktivitäten zurück, andere bewarben die Produkte des Unternehmens nicht mehr aktiv, und mehrere Geschäftsbeziehungen lösten sich faktisch auf.

Der neue Geschäftsführer stellte fest, dass das Netz nie allein auf Handelsverträgen beruht hatte. Zusammengehalten hatte es persönliches Vertrauen. Mit dem früheren Geschäftsführer ging auch ein Großteil dieses Vertrauens. Die neue Führung brauchte viel Zeit, um den Zugang zu den Kunden wiederherzustellen, neue Vertriebsbeziehungen aufzubauen und die Marktstellung des Unternehmens zurückzugewinnen.

Fall 02

Preislücke oder Vertrauenslücke? Warum ein Gründer nicht verkaufen wollte

Maschinenkomponenten · Westdeutschland und Nordchina · 2018

Ein deutscher Maschinenbauer hatte sich auf dem chinesischen Markt bereits erfolgreich etabliert. Sein Produktportfolio deckte die meisten relevanten Kundensegmente ab. Im unteren Marktsegment fehlte ihm jedoch ein Produkt, das den Anforderungen und Preisvorstellungen einer Reihe chinesischer Kunden entsprach.

Auf einer Messe stieß das deutsche Team auf ein lokal gefertigtes Produkt, das diese Lücke nahezu perfekt zu schließen schien. Hergestellt wurde es von einem recht erfolgreichen chinesischen Unternehmer, der seine Firma über viele Jahre aufgebaut hatte. Das Unternehmen war in seinem Segment gut etabliert, das Produkt hatte einen soliden Ruf, und strategisch schien alles zu passen.

Die deutsche Geschäftsleitung begann deshalb, über eine Übernahme nachzudenken.

Die Logik schien zwingend. Mit dem Kauf des chinesischen Unternehmens konnte die deutsche Unternehmensgruppe eine wichtige Lücke im Portfolio schließen, ihre Stellung im chinesischen Markt stärken und sofort Zugang zu einem etablierten Produkt und Kundenstamm erhalten.

Hinzu kam, so schien es, die Nachfolgefrage. Der chinesische Unternehmer war bereits in den Sechzigern, und offenbar wollte oder konnte niemand aus der Familie das Unternehmen übernehmen. Aus deutscher Sicht schien das ein naheliegender Anlass für eine Transaktion.

Die deutsche Seite ging auf den Unternehmer zu und schlug vor, sein Unternehmen zu übernehmen. Es folgten Verhandlungen. Sie waren langwierig und schwierig.

Der Preis war eine der zentralen Fragen, und am Ende konnten die beiden Seiten die Differenz in der Bewertung nicht überbrücken. Mit der Zeit wurde jedoch immer deutlicher, dass es nicht nur ums Geld ging. Der Unternehmer schien sich zutiefst dagegen zu sträuben, das Unternehmen, das er über viele Jahre aufgebaut hatte, einem ausländischen Käufer zu übergeben, den er kaum kannte.

Was die deutsche Seite vor allem als Unternehmenswert und Nachfolgechance sah, betrachtete der Unternehmer offenbar sehr viel persönlicher. Das Unternehmen war im wahrsten Sinne des Wortes sein Lebenswerk.

Die Verhandlungen erreichten allmählich einen Punkt, an dem sich keine Seite weiter bewegen wollte. Die deutsche Seite konnte den geforderten Preis nicht rechtfertigen, und der chinesische Unternehmer war nicht bereit, sein Unternehmen zu Bedingungen abzugeben, die er für unzureichend hielt. Die Transaktion stand kurz vor dem Scheitern.

An diesem Punkt schlug ein externer Berater vor, die Strategie zu ändern. Statt weiter auf eine sofortige Übernahme zu setzen, könnten die Parteien eine Kooperationsvereinbarung rund um das lokale Produkt schließen. Das deutsche Unternehmen könnte das Produkt in sein China-Portfolio aufnehmen, mit dem Unternehmer zusammenarbeiten, den Markt gemeinsam entwickeln und nach und nach eine engere Geschäftsbeziehung aufbauen. Eine Übernahme bliebe als spätere Option offen.

Das veränderte die Dynamik der Gespräche. Der chinesische Unternehmer musste nicht mehr sofort und unumkehrbar entscheiden, ob er die Kontrolle über sein Unternehmen abgibt. Zugleich konnte die deutsche Seite das Produkt, die Zusammenarbeit und die wirtschaftliche Logik einer engeren Beziehung erproben.

Der Vorschlag hielt die Verhandlungen damit am Leben. Und vor allem brachte er etwas ins Spiel, das bis dahin gefehlt hatte: Zeit, um Vertrauen aufzubauen.

Abschnitt 04

So bauen deutsche und chinesische Partner Vertrauen auf

Beide Arten, Vertrauen aufzubauen, funktionieren in ihrem eigenen System, und beide verändern sich. Es geht nicht darum, den Stil der anderen Seite zu kopieren, sondern zu verstehen, was die andere Seite sehen muss, bevor sie Ihnen vertraut. In den meisten Partnerschaften heißt das: persönliche Beziehungen mit Nachweisen und klaren Vereinbarungen verbinden.

Nicht darauf setzen, dass der ausländische Name Vertrauen schafft

In China bringt die ausländische Herkunft allein kein Vertrauen mehr, besonders nicht im Konsumgütergeschäft. Heimischen Unternehmen wird inzwischen mehr vertraut als ausländischen (90 gegenüber 73 Punkten),6 und ausländische Unternehmen werden zunehmend nach denselben Maßstäben beurteilt wie heimische: Produktqualität, Bezug zum lokalen Markt und langfristiges Engagement. Lokale Referenzen, Service vor Ort und ein sichtbarer Plan, im Land zu bleiben, zählen oft mehr als die Herkunft der Marke.

Wo es geht, den Kontakt über eine Vertrauensperson anbahnen

In China kann die Empfehlung durch jemanden, dem Ihr Partner bereits vertraut, den ersten Kontakt erleichtern, weil der Vermittler Ihnen einen Teil seiner Glaubwürdigkeit leiht. Voraussetzung ist das nicht: Viele Partnerschaften beginnen über Messen, Ausschreibungen oder direkte Ansprache, und bei Privatunternehmen in größeren Städten kann eine starke Erfolgsbilanz mehr zählen. Am wichtigsten sind solche Empfehlungen meist bei staatsnahen Partnern und in weniger entwickelten Regionen.89 Wählen Sie Vermittler sorgfältig aus, denn ihr Ruf wird Teil Ihres eigenen, und prüfen Sie bezahlte Vermittler anhand Ihrer Compliance-Regeln.

Den Partner erst kennenlernen, dann eine große Zusage erbitten

In China entsteht Vertrauen oft vor dem Geschäft und nicht erst durch das Geschäft (Fall 02). Planen Sie vor wichtigen Verhandlungen Zeit für Besuche, Treffen und gemeinsame Essen ein. Besuche der Geschäftsleitung in entscheidenden Momenten, etwa bei einer Vertragsunterzeichnung oder nach einem Problem, zeigen zudem, dass die Partnerschaft Ihrem Unternehmen wichtig ist.

Persönliche Verbindungen offenlegen und Regeln dafür vereinbaren

In China hängt Vertrauen an Personen, bevor es an Unternehmen hängt. Manager vor Ort arbeiten mitunter lieber mit Vertriebspartnern oder Lieferanten, die sie persönlich kennen, und solche Verbindungen können Marktzugang, Tempo und Einsatz bringen, die ein neues Geschäft braucht. Ein Problem müssen sie nicht sein, solange sie offengelegt sind, klare Regeln zu Interessenkonflikten gelten und die Konditionen marktüblich bleiben. Muss eine Führungskraft gehen, die wichtige Beziehungen hält, sichern Sie diese Beziehungen vorher, denn sonst geht das Netzwerk womöglich mit ihr (Fall 01).

Professionelle Distanz nicht als Misstrauen deuten

In Deutschland zeigt sich Vertrauen meist in Verlässlichkeit, nicht in Nähe. Deutsche Partner trennen oft Beruf und Privatleben und lehnen Abendessen oder private Einladungen auch einmal ab, ohne damit auf Distanz gehen zu wollen. Vertrauen zeigen sie, indem sie Informationen offen teilen, Vereinbarungen einhalten und wieder mit Ihnen zusammenarbeiten.

Erst Nachweise liefern, dann die Beziehung aufbauen

In Deutschland schenkt man Vertrauen in der Regel dem, was sich überprüfen lässt. Geschäftliches Vertrauen beruht seit Langem auf Verträgen, Normen und Verbänden, nicht auf persönlichen Beziehungen.17 Legen Sie Zertifizierungen, Prüfergebnisse, Referenzkunden und deutschsprachige Unterlagen früh vor. Vor allem in größeren Unternehmen gelten großzügige Geschenke oder Einladungen zu Beginn einer Beziehung womöglich als Compliance-Risiko statt als Zeichen guten Willens.

Praktische Bedenken direkt ausräumen

Das Interesse an chinesischen Produkten wächst in Deutschland, führt aber vor allem dann zum Kauf, wenn konkrete Bedenken ausgeräumt sind. Deutsche Autokäufer etwa nennen als wichtigste Sorgen die Qualität, die Nutzung ihrer Daten und die Frage, ob es die Marke in fünf Jahren noch gibt.26 Unabhängige Qualitätstests, Service vor Ort und lange Garantien, bei vernetzten Produkten auch die Datenspeicherung in Europa, können mehr bewirken als Markenkampagnen.

Deutlich machen, dass Sie langfristig bleiben

In Deutschland schafft Engagement über Jahre mehr Vertrauen als einzelne Gesten. Gefragt, wie ein ausländisches Unternehmen, dem sie misstrauen, ihr Vertrauen zurückgewinnen kann, nennen Menschen in Deutschland langfristige Investitionen in die Region (46 %) und lokale Neueinstellungen (42 %) weit häufiger als einmalige Spenden (26 %).21 Mitarbeitende vor Ort, ein Ansprechpartner in Deutschland und ein Servicenetz machen dieses Engagement sichtbar.

Schriftlich festhalten, was die Beziehung nicht garantieren kann

Vereinbaren Sie Pflichten, technische Standards, Rechte an geistigem Eigentum, Regeln für Daten, Berichtswege und Verfahren für Streitfälle schriftlich, auch wenn die Beziehung gut ist. Wo chinesische Manager das Rechtssystem für glaubwürdig halten, setzen sie stärker auf formelle Verträge.7 Damit ausführliche Vertragsbedingungen nicht nach Misstrauen klingen, stellen Sie sie als gemeinsame Grundlage dar, die beide Seiten schützt, etwa wenn Personen wechseln oder sich die Marktlage ändert. Die Beziehung macht schwierige Zusammenarbeit möglich; die schriftlichen Regeln halten sie stabil.

Vertrauensbrüche so wiedergutmachen, wie es beide Seiten erwarten

Kommt es zu einem ernsten Problem, verbinden Sie beide Wege, Vertrauen wiederherzustellen: eine ehrliche Darstellung, was passiert ist und was sich ändern wird (das erwarten deutsche Partner), und ein persönliches Gespräch auf Leitungsebene, das chinesischen Partnern zeigt, dass Ihnen die Beziehung weiterhin wichtig ist. Danach muss verlässliche Arbeit in den folgenden Monaten die Wiedergutmachung bestätigen.

Gleiche Geste, andere Bedeutung: Wie Vertrauenssignale ankommen

GesteChinesische Sicht (So kommt es an)Deutsche Sicht (So kommt es an)💡 Empfehlung (Was hilft)
Eine Einladung zum AbendessenEin Schritt zu einer tieferen Beziehung (der Esstisch als „zweiter Sitzungssaal“). Wer wiederholt absagt, signalisiert womöglich Distanz.Eine freundliche Geste, aber keine Voraussetzung fürs Geschäft. Viele trennen Arbeit und Freizeit lieber (Work-Life-Balance).Sagen Sie nach Möglichkeit zu, und sei es nur auf ein Getränk. Müssen Sie absagen, schlagen Sie eine Alternative vor (etwa ein Mittagessen oder einen Kaffee) und nennen Sie einen echten Grund, damit die Absage nicht als Distanz ankommt.
Ein GeschenkEin üblicher Ausdruck von Wohlwollen und Respekt. Kleine Geschenke werden geschätzt; wertvolle Geschenke können für Verlegenheit sorgen oder Compliance-Bedenken auslösen.Ein möglicher Compliance-Verstoß. Viele Unternehmen setzen strenge Wertgrenzen (z. B. 50 €) und verlangen, dass Beschäftigte Geschenke melden.Wählen Sie kleine Sachgeschenke (z. B. regionale Spezialitäten oder Werbeartikel des Unternehmens). Prüfen Sie vorher die Compliance-Richtlinien beider Unternehmen. Müssen Sie ein Geschenk ablehnen, erklären Sie die Regel freundlich.
Eine Gefälligkeit außerhalb des VertragsSchafft eine Pflicht zur Gegenleistung (Renqing, das Gefühl, einander etwas zu schulden). Einen Gefallen zu gewähren oder zu erbitten, gilt als Zeichen von Vertrauen und gegenseitiger Verlässlichkeit.Gern gesehenes Entgegenkommen, aber meist weder erwartet noch aufgerechnet. Wer Monate später eine Gegenleistung erbittet, sorgt leicht für Irritation.Nehmen Sie Gefälligkeiten offen an und erweisen Sie selbst welche, aber im Rahmen der Compliance-Grenzen. Revanchieren Sie sich informell (z. B. mit einer Einladung zum Essen), statt daraus ein streng aufgerechnetes Tauschgeschäft zu machen.
Ein Problem, offen in der Besprechung angesprochenEin drohender Gesichtsverlust. Wer öffentlich auf einen Fehler hinweist, besonders bei einer ranghöheren Person, lässt das Gegenüber womöglich das Gesicht verlieren und löst Abwehr aus.Ein Zeichen von Ehrlichkeit und professioneller Verlässlichkeit. Probleme früh und offen zu melden, wird erwartet, damit sie sich effizient lösen lassen.Sprechen Sie das Problem zuerst privat an (unter vier Augen), am besten gleich mit einem Lösungsvorschlag. Stimmen Sie mit der betroffenen Person ab, wie Sie es in der Besprechung konstruktiv darstellen, oder würdigen Sie dort zuerst die geleistete Arbeit, bevor Sie Bedenken äußern.

Quellen: 27, 28

Abschnitt 05

Häufige Fragen

Guanxi, das Netz persönlicher Beziehungen, ist weiterhin wichtig, aber weniger, als ältere Ratgeber behaupten. Beziehungen öffnen Türen, doch ob ein Partner als verlässlich gilt, entscheiden zunehmend Verträge, Plattformen und Regulierung. Bei staatsnahen Partnern und in weniger entwickelten Regionen zählt Guanxi meist mehr, bei Privatunternehmen in Großstädten weniger.

Vor allem an Nachweisen und Verlässlichkeit: Zertifizierungen, Referenzen, Prüfergebnisse und Vereinbarungen, die eingehalten werden. Persönliche Nähe spielt eine geringere Rolle. Vertrauen zeigt sich meist darin, dass Informationen offen geteilt werden und man wieder zusammenarbeitet, nicht in privaten Einladungen.

Für viele chinesische Partner entsteht die Beziehung am Esstisch, dem „zweiten Sitzungssaal“. Im lockeren Gespräch kommt dort oft zur Sprache, was in der Besprechung ungesagt blieb. Wer wiederholt absagt, signalisiert womöglich Distanz. Können Sie nicht kommen, schlagen Sie eine Alternative vor, etwa ein Mittagessen oder einen Kaffee, und nennen Sie einen echten Grund.

Indem es zuerst Nachweise liefert: Zertifizierungen, unabhängige Tests, Referenzkunden und deutschsprachige Unterlagen. Außerdem sollte es praktische Bedenken zu Qualität, Daten und Beständigkeit direkt ausräumen und mit Service und Neueinstellungen vor Ort zeigen, dass es langfristig bleibt.

Es sollte sich zuerst Zeit nehmen, den Partner kennenzulernen. Vor allem bei Unternehmen, die noch ihrem Gründer gehören, muss Vertrauen oft vor dem Geschäft entstehen und nicht erst durch das Geschäft. Ein stufenweises Vorgehen, etwa eine Kooperation vor der Übernahme, kann beiden Seiten die Entscheidung erleichtern.

Abschnitt 06

Quellen

1
齐亚强、张子馨 (Qi, Y., & Zhang, Z.). "转型社会中的人际信任及其变迁" (Structural Shift of Interpersonal Trust in Transitional China). 《社会学评论》, 2022(2), 124–144.
2
Luo, Y., et al. "Guanxi and Organizational Performance: A Meta-Analysis." Management and Organization Review, 8(1), 139–172, 2012.
4
Steinhardt, H. C., et al. "Chasing a Phantom: A Re-evaluation of China's 'Trust Crisis'." Chinese Sociological Review, 57(3), 297–327, 2025.
5
Sleiman, K. A. A., et al. "User Trust Levels and Adoption of Mobile Payment Systems in China: An Empirical Analysis." SAGE Open, 11(4), Artikel 21582440211056599, 2021.
6
Edelman. "2026 Edelman Trust Barometer: China Report." Edelman Trust Institute, 2026.
7
Zhou, K. Z., & Poppo, L. "Exchange Hazards, Relational Reliability, and Contracts in China: The Contingent Role of Legal Enforceability." Journal of International Business Studies, 41(5), 861–881, 2010.
8
Zhang, J., & Keh, H. T. "Interorganizational Exchanges in China: Organizational Forms and Governance Mechanisms." Management and Organization Review, 6(1), 123–147, 2010.
9
Steinhardt, H. C., & Delhey, J. "Socio-Economic Modernization and the 'Crisis of Trust' in China: A Multi-level Analysis of General and Particular Trust." Social Indicators Research, 152(3), 923–949, 2020.
10
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